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Therapie der Osteroporose

Je nach Schwere einer Erkrankung oder Vorstufen, werden basistherapeutische Maßnahmen für ihre Knochengesundheit besprochen und/oder spezialtherapeutische Medikamente eingesetzt. Osteoporosespezifische Medikamente hemmen beispielsweise den Abbau des Knochens. Oft wird eine solche Therapie für mehrere Jahre geplant, ggf. auch als Sequenztherapie. In selteneren Fällen kommen auch primär knochenaufbauende Medikamente zum Einsatz und im Verlauf wird auf eine Therapie umgestellt, die den Knochenabbau hemmt. 


Unsere Therapiekonzepte entsprechen den Leitlinien der Fachgesellschaften und dem aktuell Wissenstand der Medizin werden aber sehr individuell - auch unter Berücksichtigung bestehender Begleiterkrankungen - abgestimmt. 

Basistherapeutische Maßnahmen für ihre Knochengesundheit
Für ihre Knochengesundheit - auch im präventiven Sinne - ist es wichtig, dass Grundbausteine für den Knochenstoffwechsel berücksichtigt werden. Dazu zählen primär

  • eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D, Kalzium und Eiweiß 

  • regelmäßiges körperliches Training insbesondere Krafttraining, Balance- und Koordinationstraining (Sturzprävention)

  • der Verzicht auf Nikotin 

  • das Meiden riskanten Alkoholkonsums

Bei hohem Sturzrisiko werden teilweise zusätzliche Maßnahmen wie Hüftprotektoren oder gezielte physiotherapeutische Maßnahmen empfohlen. 


Die meisten der Grundbausteine zur Knochengesundheit stärken auch die Muskulatur. Gesunde Muskulatur hilft den Knochen in ihrem Wachstum auch wenn bereits Veränderungen in der Knochenstruktur vorliegen.


Die Grundbausteine ersetzen keine umfassende Beratung. Ihre Therapie wird stets ganzheitlich und individuell festgelegt, daher ist eine enge Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt wichtig.


Die medikamentöse Therapie der Osteoporose wird immer komplexer, aber auch effektiver. Medikamente wirken auf zwei Arten:

  • Antiresorptiv = sie verlangsamen den Knochenabbau (z. B. Bisphosphonate, Denosumab).

  • Osteoanabol = sie fördern neuen Knochenaufbau (z. B. Teriparatid, Abaloparatid, Romosozumab).
    Bei hohem Frakturrisiko werden oft zuerst anabole Medikamente empfohlen, gefolgt von antiresorptiven Therapien zur Stabilisierung. 

Für alle, die es genauer wissen wollen:

Antiresorptive Wirkstoffe

1. Bisphosphonate (z. B. Alendronat oral — 1× wöchentlich, Risedronat, Zoledronsäure — i.v. 1× jährlich)

  • Was sie tun: hemmen aktive Knochenabbauende Zellen (Osteoklasten).

  • Vorteile: gut untersucht, senken Frakturrisiko (Wirbelsäule, Hüfte).

  • Häufige Nebenwirkungen: Magen-Darm-Beschwerden (bei Tabletten), selten Kiefernekrosen oder ungewöhnliche Oberschenkelbrüche bei Langzeitgebrauch.

  • Hinweise: Tabletten nüchtern mit viel Wasser, aufrecht bleiben nach Einnahme.

2. Denosumab (z. B. Prolia) — Injektion alle 6 Monate

  • Was es tut: blockiert RANK-Ligand → reduziert Knochenabbau.

  • Vorteile: sehr wirksam, oft verwendet bei hohem Frakturrisiko.

  • Wichtiger Hinweis: bei Absetzen besteht ein erhöhtes Risiko für schnellen Knochenverlust und multiple Wirbelfrakturen — deshalb planen Ärzte oft eine "Überleitungs"-Therapie (z. B. Bisphosphonat) wenn Denosumab gestoppt wird.

  • Aktuelles: Biosimilars (generische Nachahmer von Denosumab) wurden in den letzten Jahren in Europa zugelassen.

3. Selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERM) — z. B. Raloxifen

  • Wirkung: antiresorptiv, verringert vor allem Wirbelbrüche.

  • Nebenwirkungen: Hitzewallungen, Thromboserisiko.

Osteoanabole Wirkstoffe (Knochenaufbauend)

1. Teriparatid (PTH 1–34) — tägliche Injektion

  • Fördert Knochenaufbau; gut belegt für Reduktion von Wirbel- und Nicht-Wirbelfrakturen.

2. Abaloparatid (Markenname z. B. Eladynos) — tägliche Injektion

  • Neues/relativ neues Anabolikum, in Europa in den letzten Jahren zugelassen und inzwischen in Leitlinien als Option für Patientinnen mit hohem Frakturrisiko aufgenommen. Vorteile und Nebenwirkungen ähnlich wie Teriparatid; es gibt Zulassungs- und Erstattungsentscheidungen (z. B. EU / nationale Gremien).  

3. Romosozumab (Evenity) — monatliche Injektion (12 Monate max.)

  • Besondere Eigenschaft: hat sowohl anabole Effekte (Knochenaufbau) als auch antiresorptive Wirkung. Wird häufig für Patientinnen mit sehr hohem Frakturrisiko eingesetzt.

  • Wichtiger Sicherheitsaspekt: in Studien wurde ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall) beobachtet; deshalb prüfen Ärzte vorher Herz-Kreislauf-Risiken und wägen Nutzen/Risiko ab. Romosozumab wird in Leitlinien als potente Option bei sehr hohem Frakturrisiko genannt, aber nicht bei Menschen mit kürzlich aufgetretenen schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen.  

Ablauf / Dauer / Reihenfolge

  • Bei sehr hohem Frakturrisiko (z. B. mehrere Wirbelfrakturen, sehr tiefe Knochenmineraldichte): Ärzte bevorzugen zunehmend zuerst ein osteoanaboles Medikament (Teriparatid, Abaloparatid oder Romosozumab) für etwa 12–18 Monate, danach eine antiresorptive Therapie (z. B. Bisphosphonat oder Denosumab) zur Stabilisierung.  

  • Bei moderatem Risiko beginnen Ärzte oft mit Bisphosphonaten.

  • Die genaue Dauer hängt von Medikament, Frakturrisiko und Therapieansprechen ab; regelmäßige Kontrollen sind nötig.

Wichtige Vorsichtsmaßnahmen & Monitoring (was Patientinnen/Patienten wissen sollten)

  • Bluttests (Kalzium, Nierenfunktion) vor und während Behandlung sind oft nötig (insbesondere bei Romosozumab/Denosumab).  

  • Zahnstatus: vor Einleitung von Bisphosphonaten oder Denosumab sollte zahnärztlicher Routine-Check erfolgen (selten: Kiefernekrose).

  • Bei Denosumab-Absetzen muss der behandelnde Arzt einen Plan haben, um Rebound-Verluste zu verhindern.  

  • Herz-Kreislauf-Vorgeschichte: vor Romosozumab wird oft gezielt nach Herzinfarkt/Schlaganfall in der Vorgeschichte gefragt. 

Nebenwirkungen — Kurzüberblick

  • Bisphosphonate (oral): Reflux, Sodbrennen, selten Kiefernekrose, selten atypische Femurfrakturen bei Langzeittherapie.

  • Bisphosphonate (i.v.): grippeähnliche Reaktion nach Infusion möglich.

  • Denosumab: niedriger Kalziumspiegel möglich; bei Absetzen Rebound-Effekt (s. oben).

  • Teriparatid/Abaloparatid: mögliche Übelkeit, Schwindel, sehr selten Risiko für Hyperkalzämie; Dauer begrenzt (meist 2 Jahre Limit).  

  • Romosozumab: schmerzende Injektionsstelle; mögliche kardiovaskuläre Risiken (wichtig).  

Neue bzw. aktuelle Entwicklungen (Kurz & verständlich)

  • Abaloparatid (Eladynos): in den letzten Jahren in EU/GB stärker eingeführt und in Leitlinien als Behandlungsoption bei hohem Frakturrisiko aufgenommen.  

  • Romosozumab: etabliert als sehr wirksame Knochenaufbaumöglichkeit, aber mit Hinweisen auf kardiovaskuläre Sicherheitsaspekte — Nutzen/Risiko-Abwägung nötig.  

  • Denosumab-Biosimilars: mehrere Hersteller haben in Europa in jüngster Zeit Zulassungen oder Einführungsankündigungen für Biosimilars von Denosumab – relevant für Verfügbarkeit und Kosten.  

  • Forschung/Impfstoffe & orale Peptide: Es laufen Studien zu neuen oralen oder anderen neuartigen Wirkstoffen; einige Kandidaten zeigen gute Ergebnisse in frühen Studien (noch nicht zugelassen). Beispiele: oral verabreichte Peptide in Phase-2/3-Studien (Stand 2024–2025). Diese sind noch experimentell.  

 

Links und Dokumente: